Auch wenn sich die Wirtschaft wieder zu entspannen scheint, warnen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) davor, die Krise bereits als beendet zu sehen. Diese sei erst vorüber, wenn man wieder an dem Punkt angekommen ist, an dem man sich zuvor befand, wie sich Merkel am Sonntag im ZDF-Sommerinterview äußerte. Am Tag zuvor erwähnte Wirtschaftsminister zu Guttenberg (CDU) gegenüber dem „Hamburger Abendblatt”, dass eben dieser Weg dorthin „ein mühseliger und außerordentlich harter” sei. Auch Steinmeier (SPD) zufolge irren diejenigen, die eine Verbesserung der Konjunktur sehen. In seinen Augen müsse sich zudem die Denkweise aller ändern.
Dennoch verfolgt die CDU weiterhin den Plan, rasche Steuerentlastungen als mögliches Instrument zur Stärkung der Volkswirtschaft durchzusetzen, auch wenn diese eine zeitweise höhere Staatsverschuldung zur Folge haben, wie Dieter Althaus (CDU) dem „Focus” mitteilte. Von Guttenberg sieht diese Steuersenkungen als Motivation für die Leistungsträger und als Notwendigkeit, damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sprach sich jedoch für eine strenge Haushaltsdisziplin aus und sieht die Krise erst dann als beendet, wenn alle durch Konjunkturprogramme entstandenen Schulden wieder ausgeglichen sind. Entgegen der Ansicht von CSU-Vorsitzenden Seehofer, dass eine Entlastung von 15 Milliarden Euro zu verkraften sei, wie er der „Welt am Sonntag” mitteilte, gehen Steuersenkungen in Scholz’ Augen auf Kosten der Renten, der Gesundheit und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Dennoch rechnet er mit einer Erholung der Wirtschaft in diesem und dem folgenden Jahr und sieht keine drastische Zunahme der Arbeitslosenzahlen für das kommende Jahr, sobald die Kurzarbeiterregelung beendet sein wird.
Um das Wachstum anzukurbeln, sieht die Kanzlerin neben Steuersenkungen auch eine Nachbesserung der Unternehmenssteuerreform sowie der Erbschaftsteuer für möglich und möchte diejenigen, die „den Karren ziehen” durch Steuerentlastungen motivieren. In ihrer wöchentlichen Videobotschaft forderte sie zudem von der Wirtschaft, besonders „im Jahr der internationalen Finanzkrise” die Ausbildungsmöglichkeiten der Jugend nicht zu vernachlässigen.
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